Den Pullover montieren
Thomas Nordmann, Photovoltaikpionier, referierte anlässlich des Blickpunkt-Anlasses der FDP Zuzwil im «Rössli». Er brachte interessante Erkenntnisse über erneuerbare Energien und Energieeffizienz mit – auch für Hausbesitzer.
SEBASTIAN KELLER
ZUZWIL. Thomas Nordmann hat den amtierenden vier Bundesrätinnen etwas voraus. Er ist Träger des europäischen Solarpreises 1997; die Magistratinnen sollen ihn für ihre Rolle beim geplanten Atomausstieg der Schweiz dieses Jahr erhalten. Nordmann befasse sich schon seit 1974 mit der Solarenergie. So stellt Susanna Hoffmann den Referenten am diesjährigen Blickpunkt-Anlass der FDP Zuzwil vor. «Ein öffentlicher Anlass mit offensichtlich regem Interesse», freute sich die Ortsparteipräsidentin. Die Tische waren alle besetzt, die Parkplätze auch. Für den Referenten kein Problem – er reiste mit dem Zug an. Und die Zuhörenden nahm er auch gleich mit auf eine Reise: eine Reise zu vielen Fragen und Antworten über erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Nordmann ist Geschäftsführer der TNC AG. Ein Unternehmen im zürcherischen Feldmeilen, das sich seit 26 Jahren mit Solarstrom und Gebäudeeffizienz befasst.
100 Prozent Verlust
Der Referent betonte eingangs, dass es für ihn zwei grosse Herausforderungen gibt: die Klimaerwärmung und die Zukunft der Stromversorgung. Diese dürfe man nicht isoliert betrachten. Er führte aus, dass der CO2-Ausstoss bei den Häusern und Wohnungen am grössten sei. «Beim Heizen geht 100 Prozent der Energie verloren», sagte Nordmann, «wir konsumieren sie als Komfort.» Das sei auch eine Frage des Bewusstseins: «Jeder weiss, wie viel sein Auto auf 100 Kilometer verbraucht.» Aber niemand kenne die Energiekennzahl seines Haushalts. Ein schlecht isoliertes Haus brauche heute 25 Liter Heizöl pro Quadratmeter. «Ein Auto mit einem so hohen Verbrauch lässt jeder in der Garage», verdeutlichte Nordmann. Deshalb formulierte er: «Die Zukunft gehört dem 3-Liter-Haus, nicht dem 3-Liter-Auto.» Damit kam er auf die Frage: Wie erreicht man dieses Ziel? Er skizzierte den «Königsweg der Gebäudesanierung». Bei diesem ginge es darum, zuerst «den Pullover zu montieren». Will heissen: den Wärmeverlust mittels Isolation bei Fenster, Dach und Wänden dämmen. «Damit lässt sich 50 Prozent der Energie einsparen», sagte der Energieexperte.
«Es kostet sowieso viel»
Bei der zweiten Herausforderung, der helvetischen Stromversorgung, erklärte Thomas Nordmann, dass sein Unternehmen 277 Tage vor dem Vorfall im japanischen Fukushima eine Studie veröffentlichte: «Stromeffizienz und erneuerbare Energie – wirtschaftliche Alternative zu Grosskraftwerken». Politisch sei der Atomausstieg mittlerweile beschlossene Sache. Welche Alternativen ergriffen werden, ist derzeit Gegenstand öffentlicher und politischer Diskussionen. «Viel Geld kostet es sowieso», sagte Nordmann. Die Fortführung des Atomstroms hätte bis 2035 auch 44 Mrd. Franken gekostet.
Für den Plan B, eben die Alternative, wird mit Investitionen von 65 Mrd. Franken gerechnet. Darin enthalten sind die Kosten für Stromeffizienz: Erneuerung von beispielsweise Beleuchtung und Haustechnik, wo gemäss Nordmann ein grosses Potenzial liege. Weiter beinhaltet dieser Betrag Investitionen in Anlagen zur Stromproduktion: Photovoltaik, Wasserkraft, Windenergie. «Voraussetzung für die Umsetzung des Plans B ist der gesellschaftliche und politische Wille», betonte Nordmann, der parteilos ist.
Photovoltaik als Schlüssel
Für Nordmann spielt die Photovoltaik eine Schlüsselrolle im Plan B. Bis 2035 sollten pro Kopf 4,5 m2 Sonnenkollektoren genügen, damit dieser Plan aufgehen könnte. Heute stünden wir bei 0,13 m2. Er zog das Beispiel eines deutschen Bundeslandes heran: In Bayern hätten sie im Jahr 2010 bereits 3,4 m2 Sonnenkollektoren pro Kopf. Das Problem sei die Finanzierung, auch bei privaten Anlagen. Heute müssen hohe Anfangsinvestitionen getätigt werden, die sich erst in Jahrzehnten finanziell bezahlbar machen. «Das ist das Dilemma.»
In der Fragerunde beantwortete der Energieexperte Fragen bezüglich Biomasse, Elektroautos, Solarzellen, Netzausbau und viele weitere. Zu seiner Meinung über die Preisträgerinnen des europäischen Solarpreises 2011 fragte ihn niemand.
Wiler Zeitung 21.10.11
Am 1. August Strom gespart
Sebastian Keller
Zuzwil. Sparen statt sprechen. Dieses Motto brachte die FDP Zuzwil am Nationalfeiertag aufs Buffet. Im Mitteilungsblatt der Gemeinde und in der Zeitung rief die Partei die Bevölkerung auf, am 1. August Strom zu sparen. Um zu prüfen, ob ein Spareffekt erreicht wurde, forderte die FDP Daten an. Daten, die zeigen, wie viel die Gemeinde am 1. August und an drei vorhergehenden vergleichbaren Sonntagen verbraucht.
Weniger verbraucht, aber
Die Daten zeigen: Es wurde am 1. August am wenigsten verbraucht (siehe Stichwort). So bezog die Gemeinde Zuzwil am Nationalfeiertag 41 941 kWh, am 17. Juli waren es 45 555 kWh. Das ist eine Differenz von 3614 kWh. Der Unterschied entspricht in etwa dem Jahresstromverbrauch eines Zweipersonen-Haushaltes.
Diskussionen anstossen
Dass ein Stromspartag nicht viel bringe, sei ihr klar, vielmehr sollten, so die FDP-Frau, Diskussionen angestossen werden. «Wir müssen uns auch auf kommunaler Ebene fragen: Wie soll unsere Energiezukunft aussehen?», sagt sie mit Verweis auf den vom Bundesrat beschlossenen Atomausstieg. «Das Bewusstsein für einen gezielten Umgang mit der Energie zu schärfen, ist Aufgabe der Politik», sagt sie.
Wiler Zeitung 5.8.11
